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INTERVIEW

Interview Dr. Ralph Elster | Theater der Keller in der Kirche

Zur neuen Spielstätte

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1. Was hat Sie an der ehemaligen Kirche in der Lindenstraße besonders fasziniert? War das von Anfang an der Wunschort, oder hat sich das entwickelt?

Die profanierte Kirche war von Anfang an unser Wunschort. Nach einer ersten Begehung mit den Architekten stand schnell fest, dass sich unser Raumprogramm in der Lindenstraße realisieren lässt. Damit war der Vorstand überzeugt, dieses Projekt weiterzuverfolgen. Auf einer Mitgliederversammlung haben wir anschließend auch die Zustimmung unserer Mitglieder eingeholt.

2. Ein Vertrag über 60 Jahre ist ein großes Bekenntnis. Was hat diesen Schritt möglich gemacht, und welche Partner*innen stehen dahinter?

Das Theater der Keller blickt auf eine mehr als 70-jährige Geschichte zurück. Natürlich gab es in dieser Zeit auch schwierige Phasen; insgesamt ist diese Geschichte aber vor allem eine Erfolgsgeschichte. Der langfristige Vertrag ist deshalb ein klares Bekenntnis zur Zukunft des Theaters und zum Kulturstandort Köln.

Unterstützt werden wir bereits bei unseren Betriebskosten durch die Stadt Köln und das Land Nordrhein-Westfalen. Darüber hinaus setzen wir auch künftig auf öffentliche Förderung sowie auf die Unterstützung von Stiftungen, privaten Förderinnen und Förderern und kulturbegeisterten Menschen aus Köln.

3. Was macht es mit dem Theater, wenn man nach langen Jahren im Übergangsbetrieb endlich wieder einen festen, eigenen Ort bekommt?

Der Verlust unseres Hauses in der Kleingedankstraße vor sieben Jahren und der Umzug auf die andere Rheinseite waren schon sehr einschneidende Ereignisse. Dass der Vertrag auslaufen würde, war aber lange vorher klar, und wir sind daher schon seit 15 Jahren nach zahlreichen Enttäuschungen auf der Suche nach einer neuen Heimat für das Theater. Mal ist ein potenzieller Standort an den Nachbarn gescheitert, mal wäre das Bauprojekt nicht finanzierbar gewesen, am Ende ist sogar ein Mäzen, der uns ein Theater bauen und für einen fairen Mietzins zur Verfügung stellen wollte, unversehens in die Insolvenz geraten. Die Pläne waren schon fast bauantragsreif …

Nun sind wir dem Ziel sehr nahe. Aber auch jetzt liegt noch viel Arbeit vor uns: Zunächst benötigen wir eine Baugenehmigung, dann folgt ein monatelanges Bauprojekt, bei dem wir dafür sorgen müssen, dass es im Zeit- und Kostenrahmen bleibt. Unsere Theaterleitung muss das Theater der Keller für den neuen Spielort vorbereiten, und neue Stücke müssen inszeniert werden. Wir müssen das noch bestehende Delta im Kostenplan durch Spenden aus dem Bürgertum decken, und, und, und …

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Zu den drei Bühnen und dem Programm

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4. Drei Bühnen für Theater, Musik, Literatur und Tanz: Wie sind die Räume gedacht? Klar getrennt oder auch gemeinsam nutzbar?

Wir werden in der Lindenstraße tatsächlich über drei Spielorte verfügen: Zum einen gibt es das große „Schiff", das ehemalige Mittelschiff der Kirche, mit seinen bis zu 199 Plätzen. Die „Vierung", also der ehemalige Altarbereich, fasst rund 100 Besucherinnen und Besucher. Schließlich haben wir die Krypta im Untergeschoss, die kleinere Veranstaltungen mit bis zu 60 oder 70 Gästen erlaubt.

Eine gleichzeitige Nutzung aller drei Bühnen wird es aber nicht geben: Wir werden nämlich aus Kostengründen kein Veranstaltungszentrum errichten, sondern auf maximal 199 Plätze begrenzt sein. Die drei Bühnen können aber an einem Tag nacheinander bespielt werden: etwa mit einer Matinee im ehemaligen Altarraum, nachmittags mit einer Lesung in der Krypta und am Abend mit einem Schauspiel im großen Saal.

5. Werden die Bühnen allein vom Theater der Keller genutzt, oder besteht auch die Möglichkeit der Nutzung durch andere Kultureinrichtungen und -initiativen?

Wir streben eine intensive Nutzung dieses neuen Spielortes an, wenn möglich an 300 Tagen oder mehr im Jahr. Bedenkt man noch die Tage mit zwei Aufführungen, wird schnell klar, dass unser Theaterteam das nicht allein stemmen kann. Das Theater der Keller wird an 200 oder 220 Tagen seine Formate anbieten. Die übrigen Zeiten stehen anderen Kulturschaffenden zur Verfügung; wir wollen vor allem mit der freien Szene kooperieren.

6. Das Theater der Keller ist bekannt für gesellschaftliche Themen und die Arbeit mit jungen Künstler*innen. Bleibt das so, oder ändert sich mit dem neuen Ort auch das Programm?

Das bleibt so, wie es ist. Wir setzen auf die bewährte Theaterleitung von Michael Meichßner und Dr. Ulrike Janssen, die mit ihrem Programm die Marke „Theater der Keller" am neuen Standort etablieren werden.

7. Die Zusammenarbeit mit der Schauspielschule, dem XXTanztheater und dem Ensemble2030 ist fest verankert. Welche neuen Kooperationen sind mit dem Umzug denkbar?

Der neue Standort eröffnet uns viele zusätzliche Möglichkeiten. Neben den drei Bühnen werden auch Probenräume zur Verfügung stehen. Dadurch können wir weiteren Ensembles und Kulturschaffenden gute Arbeitsbedingungen bieten.

Erste Anfragen gibt es bereits. Unser Ziel ist es, die bestehenden Kooperationen weiter zu stärken und zugleich neue Partnerschaften mit Akteurinnen und Akteuren aus der Kölner Kulturszene aufzubauen.

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Zum Bauprozess und zur Eröffnung

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8. Was sind die nächsten wichtigen Schritte bis zur geplanten Eröffnung der Spielzeit 27/28?

Zunächst müssen wir das Baubudget festlegen und die angesprochene Finanzierungslücke durch Spenden schließen. Wir wollen das Bauprojekt durch einen unabhängigen Bauausschuss begleiten lassen, der uns beim Baucontrolling unterstützt. Das Projekt kann aber erst starten, wenn wir die Baugenehmigung haben. Das ist ambitioniert, aber wenn wir die Genehmigung noch in diesem Jahr erhalten sollten, schaffen wir die Spielzeiteröffnung 27/28 im neuen Haus.

9. Wie finanziert sich das Projekt? Welche Rolle spielen öffentliche Förderung, private Unterstützung und Eigenleistung?

Ohne öffentliche Zuschüsse würde es nicht gehen. Wir verfügen Gott sei Dank über sichere Finanzierungsbausteine von der Stadt Köln und vom Landschaftsverband Rheinland, und wir haben weitere Förderanträge bei verschiedenen Stiftungen gestellt, von denen wir uns ebenfalls Unterstützung erhoffen.

Das Theater der Keller ist ein gemeinnütziger Verein, der anspruchsvolles Schauspiel ermöglicht. Wir legen Wert darauf, unserem festangestellten Team, aber auch unseren freien Kräften angemessene Gehälter und Honorare zu zahlen. Der Verein kann aus dem laufenden Spielbetrieb heraus nur sehr begrenzt Rücklagen bilden. Notfalls wird der Trägerverein aber einen Baukredit aufnehmen. Das ist möglich, weil wir in der Lindenstraße Erbpachtnehmer sind, und das verschafft uns Handlungsspielraum und Sicherheit, die Finanzierung stemmen zu können.

Ein wichtiger Teil der Finanzierung werden die privaten Spenden sein. Viele Menschen, denen wir das Projekt schon vorstellen konnten, sind begeistert von der Idee dieses großartigen neuen Kulturortes und haben uns ihre finanzielle Hilfe zugesagt. Bislang wurden uns bereits 150.000 Euro in Aussicht gestellt, und wir erhoffen uns weitere Unterstützung in den kommenden Monaten, insbesondere weil wir das neue Haus mit seinen Bühnen auch mit angemessener Bühnentechnik ausstatten müssen.

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Zur Bedeutung für Köln

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10. Was bedeutet dieser neue Ort für die Kölner Kulturlandschaft?

Mit dem Bauturm, der Volksbühne und den kleineren Häusern, wie dem Ateliertheater und Theater im Hof, kommt schon ganz schön was zusammen rund um das Komponistenviertel. Wir sind zwar noch weit entfernt vom Londoner West End, aber für Köln und seine darstellende Szene liegt darin eine große Chance: Es kann ein Quartier entstehen, in dem unterschiedliche Theaterformen, Musik, Literatur, Tanz und freie Kultur sichtbar und erlebbar werden.

11. Was wünschen Sie sich von der Bürgerschaft, vom Kölner Kulturrat und der Kulturpolitik?

Wir brauchen Unterstützung. Wir brauchen Publizität. Wir brauchen auch in den nächsten Jahren Unterstützung bei den Betriebskosten. Dafür geben wir der Stadt und ihrer freien Szene einen wunderbaren Kulturort, der vielfältig genutzt werden kann.

12. Wie können Kölner*innen das Projekt jetzt schon unterstützen?

Aktuell mit Geldspenden, die mit dem Hinweis „Bauspende für die Lindenstraße" auf unser Baukonto bei der Sparkasse KölnBonn überwiesen werden können:

Theater der Keller e.V.
IBAN: DE74 3705 0198 1900 3261 80

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