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INTERVIEW

Interview mit der RheinEnergieStiftung Kultur zum
20-jährigen Jubiläum

Zum 20-jährigen Jubiläum der RheinEnergieStiftung Kultur spricht Geschäftsführende Vorständin Prof. Dr. Susanne Hilger über die Entwicklung der Kölner Kulturlandschaft, die Verantwortung privater Stiftungen in Zeiten von Kürzungen und das geplante Jubiläumsprojekt im Kölner Stadtteil Kalk.

1. Was hat sich in der Kölner Kulturlandschaft in den letzten 20 Jahren verändert – und welche Rolle hat die Stiftung dabei gespielt?

Prof. Dr. Susanne Hilger:

In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich die Kölner Kulturlandschaft tiefgreifend verändert – und Stiftungen wie die RheinEnergieStiftung Kultur haben dabei eine prägende Rolle übernommen. Besonders deutlich sichtbar sind die Emanzipation und Professionalisierung der Freien Szene, die heute ein wesentliches Fundament der kulturellen Vielfalt der Stadt bildet.

Die RheinEnergieStiftung Kultur hat diesen Wandel maßgeblich unterstützt, indem sie frühzeitig dort investierte, wo öffentliche Förderstrukturen Lücken aufwiesen: bei freien, gemeinnützigen Trägern, bei Struktur- und Professionalisierungsprozessen und bei der Entwicklung neuer kultureller Plattformen. Ein exemplarisches Beispiel ist das zamus – Zentrum für Alte Musik, das durch eine Anschubförderung der Stiftung erst die Möglichkeit erhielt, sich zu einem heute international wahrgenommenen Akteur zu entwickeln.

Während öffentliche Programme häufig projektbezogen und kurzfristig agieren, kann die Stiftung gezielt Hilfe zur Selbsthilfe leisten: durch projektbezogene Strukturförderung, durch die Begleitung von Professionalisierungsprozessen sowie durch die Stärkung von Ensembles, Initiativen und Kollektiven aller Sparten.

Damit besitzt die Kulturstiftung der RheinEnergie ein Alleinstellungsmerkmal in der Förderlandschaft und trägt entscheidend dazu bei, dass freie Kulturträger langfristig arbeitsfähig und sichtbar wurden.

Parallel dazu hat sich das Publikumsverhalten stark verändert – verstärkt durch die Pandemie. Die Stiftung hat darauf reagiert, indem sie gezielt Projekte im Bereich Audience Development, Teilhabe, Partizipation und Kulturelle Bildung unterstützt. Diese Themen sind heute fest im Förderprogramm verankert und tragen dazu bei, dass Kultur in Köln breiter zugänglich und gesellschaftlich relevanter wird.

Insgesamt lässt sich festhalten: Die RheinEnergieStiftung Kultur hat in den letzten zwei Jahrzehnten nicht nur kulturelle Projekte ermöglicht, sondern aktiv Strukturen aufgebaut, Innovationen angestoßen und die Freie Szene nachhaltig gestärkt. Sie war Impulsgeber, Katalysator und Stabilitätsfaktor zugleich – und damit ein zentraler Motor der kulturellen Entwicklung Kölns.

 

2. Was muss ein Projekt mitbringen, um von der RheinEnergieStiftung Kultur gefördert zu werden?

Prof. Dr. Susanne Hilger:

Für eine Förderung durch die RheinEnergieStiftung Kultur muss ein Projekt bestimmte qualitative und formale Voraussetzungen erfüllen. Entscheidend ist zunächst, dass das Vorhaben inhaltlich zu den Förderschwerpunkten der Stiftung passt. Diese liegen in den Bereichen Kulturelle Bildung, Community Arts sowie künstlerische Entwicklung. Projekte, die in diesen Themenfeldern neue Impulse setzen, haben grundsätzlich gute Chancen. Darüber hinaus legt die Stiftung großen Wert auf Innovationskraft und Neuheitscharakter. Da sie nicht in bereits laufende oder etablierte Projekte einsteigen kann, sollte ein Antrag ein klar erkennbares neues Vorhaben beschreiben – sei es durch neue künstlerische Ansätze, neue Zielgruppen oder neue Formen der Vermittlung. Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Gemeinnützigkeit des Antragstellenden. Die Stiftung fördert ausschließlich gemeinnützige Träger und versteht sich als Partnerin für Akteure, die im kulturellen Feld nachhaltig wirken wollen. Insgesamt unterstützt die Stiftung Projekte, die inhaltlich überzeugend, gesellschaftlich relevant und strukturell tragfähig sind – und die zugleich einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Kölner Kulturlandschaft leisten.

 

3. Wie sehen Sie die Rolle von privaten Stiftungen angesichts aktueller Kürzungen in der öffentlichen Kulturförderung?

Prof. Dr. Susanne Hilger:

Private Stiftungen nehmen im kulturellen Fördergefüge eine wichtige, aber klar umrissene Rolle ein. Angesichts der aktuellen Kürzungen in der öffentlichen Kulturförderung sehen wir uns als ergänzenden, aber nicht kompensierenden Akteur. Das System der Kulturförderung basiert auf einem Zusammenspiel vieler Partner – öffentliche Hand, Stiftungen, Fördervereine, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. In diesem Gefüge versteht sich die RheinEnergieStiftung Kultur als eine tragende Säule, die gezielt dort ansetzt, wo Impulse notwendig und Wirkungspotenziale erkennbar sind. Allerdings können wir keine Grundversorgung sicherstellen und auch keine strukturellen Kürzungen öffentlicher Mittel ausgleichen. Unsere Stärke liegt vielmehr darin, Anschubhilfen zu leisten, innovative Vorhaben zu ermöglichen und kleinere Projekte zu realisieren, die neue Wege erproben oder neue Zielgruppen erreichen.

Gleichzeitig sehen wir es als unsere Aufgabe, Synergien zu fördern und Kooperationen anzuregen. Durch Vernetzung, Beratung und das Zusammenbringen von Partnern tragen wir dazu bei, dass Projekte trotz schwieriger Rahmenbedingungen entstehen können. Auf diese Weise wirken wir als Impulsgeber und Ermöglicher, ohne die Verantwortung der öffentlichen Hand zu ersetzen.

 

4. Welche Themen und Formate möchten Sie in den nächsten Jahren stärker unterstützen?

Prof. Dr. Susanne Hilger:

In den kommenden Jahren möchte die RheinEnergieStiftung Kultur ihre Förderaktivitäten weiterhin so ausrichten, dass sie auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen reagieren kann. Ein zentrales Anliegen bleibt dabei die Stärkung gesellschaftlicher und kultureller Teilhabe. Projekte, die neue Zugänge schaffen, Diversität fördern und unterschiedliche Bevölkerungsgruppen miteinander in Kontakt bringen, werden daher auch künftig im Fokus stehen. So wie dies beispielsweise seit 2019 die Stiftungsinitiative „Gemeinsam im Quartier" intendiert, in der die RheinEnergieStiftung Kultur zusammen mit ihren beiden Schwesterstiftungen Familie und Jugend/Beruf, Wissenschaft in einem ausgewählten Kölner Quartier gemeinsam fördern. Mit dieser Ausrichtung leisten die Stiftungen bewusst einen Beitrag zu einem demokratischen, offenen und resilienten Miteinander. Angesichts zunehmender gesellschaftlicher Spannungen und Radikalisierungstendenzen sieht gerade die Kulturstiftung es als ihre Aufgabe, kulturelle Räume zu unterstützen, die Austausch ermöglichen, Perspektiven erweitern und soziale Bindungen stärken.

Darüber hinaus bleibt die Stiftung offen für neue künstlerische Formate aller Disziplinen. Entscheidend ist, dass Kultur als gestaltende Kraft sichtbar bleibt und Menschen in ihrer Vielfalt erreicht.

 

5. Was entsteht 2026 zum Jubiläum – und warum ist es etwas Besonderes?

Prof. Dr. Susanne Hilger:

Zum Jubiläumsjahr 2026 initiieren die RheinEnergieStiftungen Kultur und Familie gemeinsam mit der RheinEnergie AG ein besonderes Sonderprojekt, das bewusst über die reine Förderpraxis hinausgeht. Das Jubiläum bietet den Stiftungen die Gelegenheit, ihr Selbstverständnis als aktive Mitgestalterinnen der Stadtgesellschaft sichtbar zu machen und zugleich einen konkreten sozialen wie auch künstlerischen Beitrag zur stadträumlichen Entwicklung zu leisten. Im Mittelpunkt stehen dabei die Menschen und Initiativen, die in den Kölner Quartieren innovative Antworten auf gesellschaftliche Bedarfe entwickeln. Das Sonderprojekt soll genau dort ansetzen: vor Ort, konkret und gemeinsam mit den Akteurinnen und Akteuren in einem ausgewählten Kölner Stadtteil. Der Osthof in Köln-Kalk wurde bewusst als Projektort gewählt. Hier möchten die Stiftungen – gemeinsam mit lokalen Partnerinnen und Partnern sowie den Anwohnerinnen und Anwohnern – Ansätze entwickeln, die die Aufenthaltsqualität verbessern, den Ort sichtbarer und zugänglicher machen und langfristig zu einer Öffnung und Belebung des Quartiers beitragen.

Das Besondere an diesem Jubiläumsprojekt ist sein partizipativer und nachhaltiger Charakter: Es geht nicht um ein symbolisches Einzelereignis, sondern um einen Prozess, der das Quartier stärkt, lokale Ressourcen aktiviert und neue Formen der Zusammenarbeit erprobt. Damit unterstreichen die Stiftungen ihren Anspruch, Kultur- und Sozialräume in Köln nicht nur zu fördern, sondern aktiv weiterzuentwickeln.

 

6. Was bedeutet es für die Stiftung, Teil des Kölner Kulturrats zu sein?

Prof. Dr. Susanne Hilger:

Für die RheinEnergieStiftung Kultur bedeutet die Teilnahme am Kölner Kulturrat, Teil eines zentralen Netzwerks der Kölner Kulturlandschaft zu sein. Dieser fungiert als wichtiger Ankerpunkt für kulturpolitische Diskussionen, als Plattform für Austausch und Vernetzung sowie als Impulsgeber durch Symposien, Fachveranstaltungen und die Vergabe der Kölner Kulturpreise.

Als ständiger Gast schätzt die Stiftung die Möglichkeit, diese vielfältigen Aktivitäten aktiv zu begleiten und sich in die kulturpolitischen Debatten der Stadt einzubringen. Die Mitgliedschaft stärkt nicht nur den Dialog mit anderen Akteurinnen und Akteuren, sondern unterstreicht auch das Selbstverständnis der Stiftung als engagierte Mitgestalterin der Kölner Kulturszene.

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