Kölner Fördervereine gegen Schließung des Römisch-Germanischen Museums
In einem offenen Brief wenden sich 16 Kölner Kulturinstitutionen und Fördervereine, darunter der Kölner Kulturrat, gegen die geplante Schließung des Interims des Römisch-Germanischen Museums (RGM) im Belgischen Haus ab 2028. Sie fordern eine vollständige Prüfung der tatsächlichen Einsparungen und der kulturellen sowie wirtschaftlichen Folgen. Statt einer Schließung setzen sie sich dafür ein, die öffentliche Präsenz des römischen Erbes zu sichern und das Interim gemeinsam weiterzuentwickeln.
Der Brief ging am 3. November 2026 an Oberbürgermeister Torsten Burmester, Kulturdezernent Stefan Charles sowie die Fraktionsvorsitzenden und kulturpolitischen Sprecher*innen der Fraktionen und Gruppen im Rat der Stadt Köln. Wir dokumentieren ihn hier im Wortlaut.
Offener Brief der Kölner Fördervereine gegen eine Schließung des Interims des Römisch-Germanischen Museums im Belgischen Haus
Köln, 3. November 2026
Sehr geehrte Damen und Herren,
die geplante Schließung des Römisch-Germanischen Museums (RGM) im Belgischen Haus ab 2028 betrachten wir mit großer Sorge. Wir erkennen die schwierige Haushaltslage der Stadt Köln und die Notwendigkeit an, öffentliche Ausgaben kritisch zu überprüfen. Gerade deshalb halten wir es für erforderlich, die finanziellen, kulturellen und wirtschaftlichen Folgen einer Schließung sorgfältig abzuwägen.
Wir appellieren an Sie, die Schließung des Interims nicht zu beschließen, bevor die tatsächlichen Einsparungen belastbar ermittelt und die langfristigen Auswirkungen für den Standort Köln umfassend berücksichtigt wurden.
1. Wie hoch ist die tatsächliche Einsparung?
Die jährliche Miete für das Interim beträgt rund EUR 480.000. Eine Schließung für die Jahre 2028 bis 2030 würde somit rechnerisch rund EUR 1,44 Mio. einsparen.
Dieser Betrag entspricht jedoch nicht der tatsächlichen Haushaltsentlastung. Dem stehen erhebliche Kosten für die fachgerechte Verpackung, den Transport und die Einlagerung der Exponate, die Unterbringung von Personal und Arbeitsbereichen sowie entfallende Eintrittseinnahmen gegenüber. Bereits bei der Prüfung eines alternativen Interimsstandorts wurden entsprechende Kosten von rund EUR 750.000 veranschlagt.
Eine vollständige Wirtschaftlichkeitsrechnung, die sämtliche Folgekosten und die tatsächliche Nettoeinsparung ausweist, sollte deshalb Grundlage der Entscheidung sein. Das gilt umso mehr, als die Stadt rund EUR 177 Mio. in die Sanierung des Haupthauses investiert. Die öffentliche Präsenz dieser bedeutenden Institution in den letzten Jahren vor der Wiedereröffnung vollständig zu unterbrechen, erscheint vor diesem Hintergrund widersprüchlich.
2. Das römische Erbe ist kulturelles Fundament und wirtschaftlicher Standortfaktor.
Köln gehört zu den bedeutendsten römischen Städten nördlich der Alpen. Seine mehr als 2.000-jährige Geschichte ist ein Alleinstellungsmerkmal im Wettbewerb europäischer Kultur- und Städtereiseziele. Das Römisch-Germanische Museum ist die zentrale Institution, die dieses Erbe bewahrt, erforscht und der Öffentlichkeit zugänglich macht.
Seine Bedeutung reicht weit über den Museumsbetrieb hinaus. Das RGM ist ein wichtiger Partner für Wissenschaft, Forschung und historische Bildung. Es vermittelt insbesondere jungen Menschen die Ursprünge ihrer Stadt und verbindet die zahlreichen archäologischen Zeugnisse im Stadtraum zu einem verständlichen Gesamtbild.
Zugleich ist das römische Erbe ein wirtschaftlicher Standortfaktor. Der Tourismus erwirtschaftete in Köln 2025 rund 5,5 Milliarden Euro Umsatz. Historische Sehenswürdigkeiten und kulturelle Einrichtungen tragen zur Attraktivität der Stadt und damit zur Wertschöpfung in Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel und weiteren Dienstleistungen bei. Der Wert eines Museums kann deshalb nicht allein an seinen Eintrittseinnahmen gemessen werden.
Die Besucherzahlen des Interims sind mit rund 35.000 im Jahr 2025 zweifellos ausbaufähig. Allerdings lässt sich ein räumlich und inhaltlich eingeschränktes Interim nicht mit dem früheren Museumsbetrieb am Roncalliplatz vergleichen. Zudem entfiel mehr als die Hälfte der Besuche auf kostenlosen Eintritt, darunter zahlreiche Bildungsangebote. Auch diese gesellschaftliche Leistung gehört in eine angemessene Bewertung.
3. Statt Schließung: Präsenz sichern und Attraktivität stärken.
Das Stammhaus ist bereits seit 2018 geschlossen. Seine Wiedereröffnung wird nach aktuellem Planungsstand erst 2030 möglich sein. Eine zusätzliche mehrjährige Unterbrechung würde die Sichtbarkeit des römischen Erbes weiter schwächen, gewachsene Beziehungen zum Publikum gefährden und die kontinuierliche Vermittlungsarbeit erschweren. Weitere Verzögerungen bei der Sanierung könnten diesen Zeitraum sogar verlängern.
Statt das Interim zu schließen, sollte deshalb geprüft werden, wie sein Betrieb wirtschaftlicher gestaltet und seine Attraktivität gesteigert werden kann. Denkbar sind eine engere touristische Einbindung, gemeinsame Angebote mit anderen Kulturinstitutionen, zusätzliche Bildungsformate sowie eine stärkere Vernetzung der römischen Sehenswürdigkeiten im Stadtraum.
Die Fördervereine des römischen Erbes sind bereit, sich mit ihrem Engagement, ihren Netzwerken und ihrer Expertise an einer solchen Weiterentwicklung zu beteiligen.
Unser Appell
Wir bitten die Fraktionen im Rat der Stadt Köln, die geplante Schließung zu überdenken und vor einer Entscheidung eine vollständige Wirtschaftlichkeitsrechnung sowie eine Bewertung der kulturellen und standortwirtschaftlichen Folgen vorzulegen. Zugleich regen wir an, gemeinsam mit dem Museum, den Fördervereinen und den relevanten Partnern ein Konzept zur wirtschaftlichen und inhaltlichen Stärkung des Interims zu entwickeln.
Wir sind überzeugt: Eine verantwortungsvolle Haushaltsentscheidung muss kurzfristige Einsparungen und langfristige Interessen der Stadt gleichermaßen berücksichtigen.
Das römische Erbe ist das historische Fundament Kölns und ein wesentlicher Teil seiner kulturellen Identität und internationalen Ausstrahlung. Es auch während der Sanierung öffentlich zugänglich und erlebbar zu halten, liegt im Interesse der gesamten Stadt.
Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Werner Eck, Christof Gaudig (Archäologische Gesellschaft Köln e.V.)
Hans Jakob Haniel (Fördererkreis des Museums für Ostasiatische Kunst in Köln e.V.)
Prof. Dr. Uta Brandes (Förderverein der Kunst und Museumsbibliothek der Stadt Köln e.V.)
Dr. Konrad Adenauer, Iris Heilmann (Freunde des Kölnischen Stadtmuseums e. V.)
Dr. Cornel Soltek (Freundeskreis Museum Schnütgen e.V.)
Prof. Dr. Karl-Ludwig Kley (Freunde des Wallraf-Richartz-Museum und des Museum Ludwig e.V.)
Mayen Beckmann (Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig Köln e.V.)
Bruno Wenn (Kölner Kulturrat e.V.)
Dr. Thomas Waldschmidt (Kölnischer Kunstverein)
Dr. Carla Cugini (Peter und Irene Ludwig Stiftung)
Dr. Klaus Burghard (MiQua-Freunde Fördergesellschaft LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln e.V.)
Dr. Klaus Piehler (Museumsgesellschaft RJM – Verein zur Förderung des Rautenstrauch-Joest-Museums der Stadt Köln e.V.)
Ralph-Andreas Surma, Carola Horster (Overstolzengesellschaft, Förderer des Museums für Angewandte Kunst, Köln, gegr. 1888 e.V.)
Gudrun Schmitz, Roland Held (Römergrab Weiden e.V.)
Prof. Dr. Barbara Schock-Werner (Römische Stadtmauer Köln e. V.)
Prof. Dr. Barbara Schock-Werner (Zentral-Dombau-Verein zu Köln)



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